27.12.07 11:56
Spitzel

Von RENATE





Meine "alte" Nachbarin wohnte genau über meinem Ex-Mann. Mein Ex stalkte mich schon seit sechs Monaten; zu den alten Nachbarn hatte ich jedoch immer noch ein sehr gutes Verhältnis und wir telefonierten öfters miteinander und ich konnte ihnen hundertprozentig vertrauen.
Mein Ex-Mann telefonierte immer sehr laut; das Telefon stand im Flur und meiner Nachbarin war aufgefallen, dass sie jedes Wort verstehen konnte, wenn sie sich im Hausflur befand.
Sie war dann von dieser Stalking-Geschichte so genervt, dass sie mir helfen wollte. Jeden Tag machte sie sich mit Besen und Kehrblech "bewaffnet" im Hausflur zu schaffen, setzte sich auf die Treppenstufen vor seiner Tür und belauschte seine Telefonate.
Wenn er nämlich nicht gerade mich belauerte und belästigte, war er zu Hause und rief alle möglichen Ämter und Institutionen an, um gegen mich mobil zu machen, mir Jugendamt oder Sozialamt auf den Hals zu hetzen und mich zu verleumden.
Auf diese Art und Weise war ich immer schon vorgewarnt, wenn er einen neuen Plan ausheckte und konnte die entsprechenden Ämter über das Stalking informieren und proaktiv etwas unternehmen.
Nicht, dass es immer etwas genützt hätte, aber ich fühlte mich nicht mehr ganz so ausgeliefert. Das Verhalten der Nachbarin fand ich einfach spitze - ich stelle mir noch heute gerne vor, wie sie dort auf der Treppe sitzt, mit Besen und Kehrblech, immer auf dem Sprung, um so zu tun, als würde sie das Treppenhaus fegen.
Es hat sehr gut getan, solche Freunde zu haben.

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