Was ist Cyberstalking?

Als Cyberstalking werden alle Stalkingtätigkeiten bezeichnet, die mit Hilfe von technischen Kommunikationsmitteln wie z.B. über das Handy, das Internet, per eMail usw. durchgeführt werden.

Das Cyberstalking ermöglicht dem Stalker weitgehend unerkannt seine Tätigkeiten durchzuführen bzw. dient dazu, seine Identität zu verschleiern.

 

Cyberstalking - Beispiele

  • Versenden von bedrohlichen, verleumderischen eMails
  • Aufgeben von Internet-Inseraten auf einschlägigen Seiten mit der Telefonnummer des Opfers
  • Kaufen oder Verkaufen von Artikeln im Internet auf den Namen des Opfers
  • Veröffentlichen von Homepages auf den Namen des Opfers
  • Veröffentlichen von Homepages, Bloggs etc., mit Inhalten, die das Opfer verleumden
  • Annehmen einer fremden Identität im Internet, um das Vertrauen des Opfers zu gewinnen und persönliche Daten zu erlangen

Prävention

Achten Sie auf Ihre persönlichen Daten.

Im Internet kann man sehr viel Unfug machen mit den Daten Name, Adresse und ggf. Geburtsdatum. Daten, die relativ einfach zu bekommen sind.

Daher kann eine Empfehlung nur lauten: seien Sie sehr vorsichtig damit, wem Sie Ihre persönlichen Daten geben und achten und beharren Sie auf den Datenschutz!

Überlegen Sie sich, wofür Sie das Internet nutzen wollen: ist es ein Informationsmedium, ein Kommunikationsmedium, möchten Sie es nutzen, um eMails zu verschicken oder Leute kennenzulernen?

Wenn das Internet "nur" ein Informationsmedium für Sie ist, so brauchen Sie nirgens Ihre persönlichen Daten eingeben und nutzen das Internet mehr oder weniger nur lesend. Beim Versenden von eMails könnte man sich das Ziel setzen, nur den Menschen persönliche Dinge mitzuteilen, die Sie auch im realen Leben kennen.

Junge Leute nutzen das Internet ganz selbstverständlich für alle möglichen Lebensbereiche. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über die möglichen Gefahren.

Die Netzwerk- und Computersicherheit ist ein weiteres Thema. Wenn Sie das Internet nutzen möchten, so beschäftigen Sie sich mit diesem Thema oder lassen sich von einem Computerspezialisten beraten.

Daten können relativ einfach aus dem Internet gefischt werden. Machen Sie es also dem Angreifer so schwer wie nur irgend möglich. Sichern Sie Ihren Computer vor Angriffen von innen und außen.

Ein paar einfache Tipps: Nutzen Sie kein W-Lan, wenn Sie nicht wissen, wie Sie das W-Lan angriffssicher schützen!

Nutzen Sie eine Firewall und eine aktuelle Virensoftware!

Mailsoftware: lieber eine "externe" Mailsoftware verwenden, als eine Software, die mit dem Betriebssystem ausgeliefert wird und von der bekannt ist, dass sie Sicherheitslücken enthält.

Das gleiche gilt für den Internet-Browser.

Eine gute Seite, um sich bzgl. der Internetsicherheit zu informieren, bietet klicksave.de.

 

Bin ich Opfer von Cyberstalking?

Von einem Cyberstalking-Opfer - einem technisch relativ unwissenden Internetnutzer - habe ich erfahren, dass er selbst fast nie das Internet genutzt hat und plötzlich Internetseiten über sich im Internet gefunden hat, obwohl er nicht wüßte, wie man das überhaupt macht.

Wie bereits erwähnt ist das Internet ein anonymes Medium. Jeder kann irgendwelche Seiten oder Forenbeiträge ins Netz stellen; niemand wird dies auf Richtigkeit überprüfen, dafür ist das Internet viel zu groß.

Wenn Sie das Internet hin und wieder nutzen, so googlen Sie doch einfach mal nach Ihrem Namen. Setzen Sie Ihren Vor- und Nachnamen in Anführungszeichen und suchen Sie mal danach. Danach überprüfen Sie die Ergebnisse.

Wiederholen Sie diese Prozedur für Ihre Adresse (Strasse, Hausnummer, PLZ und Ort) und für Ihre Telefonnummer. Achten Sie darauf, dass Ihre persönlichen Daten nicht im Internet zu finden sind.

Nutzen Sie nicht nur die google-Web-Suche, sondern auch die Group-Suche. Wiederholen Sie diesen Vorgang auch mit anderen bekannten Suchmaschinen wie die von Yahoo oder Web.de.




Hinweise

  • Sie bekommen unbestellte Warensendungen
  • Sie bekommen Anrufe von verschiedenen Fremden, die behaupten, Sie hätten eine Anzeige aufgegeben
  • Sie bekommen Rechnungen über Waren, die Sie nie bestellt haben
  • Sie finden im Internet Inhalte, die Sie verleumden
  • Sie finden im Internet Inhalte, die Dritte dazu veranlassen, bei Ihnen anzurufen, Ihnen zu schreiben oder Sie zu belästigen

Was tun bei Cyberstalking?

Ist man Opfer von Cyberstalking, so gilt es als erstes herauszufinden, wer der Übeltäter sein könnte. Eine Anzeige gegen Unbekannt sollte gestellt werden, damit die Polizei bei der Ermittlung des Stalkers behilflich ist.

 

Maßnahmenkatalog

Cyberstalking ist eine der schlimmsten Formen des Stalkings, da es das Opfer beschäftigt hält und die Möglichkeiten, gegen den Stalker rechtlich vorzugehen, sehr einschränkt. Die Abwehrmaßnahmen dienen also in erster Linie dazu, sich weitere Stalkingattacken vom Hals zu halten, einen Stalkingweg abzuschneiden, so dass der Stalker sich andere Wege suchen muss und dabei ggf. Fehler macht, die seine Identität enthüllen.

 

Unbestellte Warenlieferungen

Absender der Warenlieferung aufschreiben und Warenlieferung zurücksenden. Die Firma (Absender) anrufen oder anschreiben und mitteilen, dass man die Ware nicht bestellt hat, Opfer von Cyberstalking geworden ist und darum bitten, dass die eigene Adresse für weitere Bestellungen gesperrt wird.

Das ist natürlich eine Sisyphos-Arbeit, da es unzählige Firmen gibt, die Warenbestellungen versenden. Wünschenswert wäre hier eine bundesweite Datenbank, über die man seine Adresse (z.B. nach einem Post-Ident-Verfahren) sperren lassen könnte und eine Verpflichtung für alle Firmen, Ihre Bestell-Datenbank mit dieser abzugleichen. Leider gibt es so etwas meines Wissens (noch) nicht.

Vorschlag zum Zeitmanagement: Um nicht täglich mit dem Zurücksenden von Paketen beschäftigt zu sein, kann man sich ein Postfach einrichten und per Postnachsendeantrag alle Post auf das Postfach senden lassen. Alle 3-4 Tage kann man dann die Post sortieren und die unbestellten Warenlieferungen direkt bei der Post zurückgehen lassen. Das Zurückweisen bzw. Zurücksenden der unbestellten Pakete ist übrigens für Sie kostenlos.

 

Telefonterror durch Dritte aufgrund von Anzeigen

Sich von jedem Anrufer erzählen lassen, wo er Ihre Telefonnummer herbekommen hat. Anschließend das Anzeigenmedium informieren, die Anzeigen löschen lassen und Maßnahmen zum Schutz vor Telefonterror ergreifen. (Siehe unter der Rubrik Telefonterror).

Übrigens macht sich dieser Dritte nicht strafbar, da er in gutem Glauben gehandelt hat. Strafbar macht sich hier der Stalker, der allerdings erst ermittelt werden müßte.

Das Anzeigenmedium muss man noch darauf hinweisen, dass man Opfer von Cyberstalking geworden ist und darum bitten, Anmeldedaten und IP des Anzeigenerstellers herauszugeben an die Polizei oder Staatsanwaltschaft.

 

Homepages oder Bloggs mit verleumderischen Inhalten

Finden Sie heraus, über welchen Provider (Anbieter) die Inhalte veröffentlicht wurden. Lassen Sie sich dabei ggf. von der Polizei oder einem Computerexperten unterstützen. Schreiben Sie dann den Provider an, schildern Ihre Situation und verlangen Sie die Löschung der Inhalte.

Auch hier sollte versucht werden, die Anmeldedaten und IP des Erstellers der Inhalte zu ermitteln.

 

Attacken per eMail

Am besten legt man sich einen neuen Mail-Account zu, den man nur noch den Leuten mitteilt, denen man hundertprozentig vertraut und die man auch persönlich kennt. Das attackierte Mail-Postfach weiterhin kontrollieren bzw. nach Absprache mit der Polizei an den jeweiligen Polizeibeamten weiterleiten. Alle Mails sammeln und speichern für die Anzeige.

 

Möglichkeiten der Ermittlung des Stalkers

Jeder hinterlässt im Internet Spuren. Eine eindeutige Identifizierungsnummer (IP-Adresse) bekommt jeder User des Internets zugewiesen, sobald er sich in das Internet einwählt.

Diese IP-Adresse bekommen auch die Provider, wenn jemand auf den Internetseiten sich einloggt, darauf surft, einen Beitrag schreibt usw.

Über diese IP-Adresse kann man dann immerhin den Provider herausfinden, über den ein Cyberstalker ins Internet geht (z.B. über Telekom, Eins & Eins, Arcor usw.).

Diesen Provider kann die Polizei dann auffordern, den Namen des Users herauszugeben, der zu dem angegebenen Zeitpunkt mit dieser IP-Adresse gesurft hat.

Nun machen sich Cyberstalker selbstverständlich auch Gedanken über die Strafverfolgungsmöglichkeiten. Sie haben das Internet ja als Medium gewählt, um eben nahezu unerkannt und anonym ihr Stalking durchzuführen.

Wenn man sich entsprechend mit diesem Thema beschäftigt, so gibt es durchaus technische Möglichkeiten, seine IP-Adresse oder seine Mail-Adresse zu maskieren. Opfer erzählen, dass sie eMails bekommen mit dem Absender der eigenen eMail-Adresse, so, als hätten sie sich selbst eMails geschrieben. In diesen Fällen maskiert der Angreifer die eigene eMail-Adresse so, dass ein anderer Absender im Header steht.

In solchen Fällen kann nur noch die Polizei oder speziell dafür ausgerüstete Computerfirmen diese Maskierungen nachweisen bzw. aufdecken.

 

Rechtliches bzgl. Telekommunikation und Datenschutz

Es gibt bzgl. der Speicherung von IP-Adressen und damit der Strafverfolgungsmöglichkeit noch keine befriedigende Rechtssicherheit für Stalkingopfer.

Eine EU-Richtilinie zur Einführung einer europaweiten Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten gibt es vom 15. März 2006. Danach müssen die Mitgliedstaaten der EU gesetzliche Regelungen einführen, die die Anbieter von öffentlichen Telekommunikations- und Internetdiensten zur Vorratsdatenspeicherung verpflichten.

Eine Verpflichtung zur vorsorglichen Speicherung von Verkehrsdaten für Zwecke der Strafverfolgung gibt es bisher in Deutschland nicht. Wiederholt, etwa bei der Novellierung des Telekommunikationsgesetzes im Jahr 2004, wurde die Vorratsdatenspeicherung abgelehnt. Auch im Februar 2005 hatte sich der Deutsche Bundestag anlässlich der Behandlung des Tätigkeitsberichts des Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit dagegen ausgesprochen. Denn es geht bei den Verkehrsdaten um höchst sensible und vom Fernmeldegeheimnis des Grundgesetzes geschützte Daten.

Die Bundesregierung hat dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat am 27. April 2007 einen Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Richtlinie zugeleitet. Am 8. Juni 2007 hat der Bundesrat seine Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf abgegeben. Die Gegenäußerung der Bundesregierung wurde am 27. Juni 2007 von Kabinett beschlossen.

Der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages hat am 21. September 2007 im Rahmen einer öffentlichen Sitzung Sachverständige zu dem Gesetzentwurf angehört. Die Stellungnahmen der Sachverständigen lesen Sie auf der Internetseite des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages.

Der Deutsche Bundestag hat das Gesetz am 9. November 2007 mit Mehrheit beschlossen. Es wird zum 1. Januar 2008 in Kraft treten.

 

Bzgl. des Cyberstalkings bleibt abzuwarten, ob das Cyberstalking als "schwere" Straftat eingestuft und somit eine Ermittlung der Täter möglich wird.

Der deutsche Gesetzentwurf geht jedoch auch soweit, dass die IP-Daten unabhängig davon gespeichert werden müssen.

 

Die EU Richtlinie verlangt die Vorratsdatenspeicherung nur zur Feststellung und Verfolgung schwerer Straftaten. Dessen ungeachtet lässt das am 9. November 2007 beschlossene Gesetz es zu, dass die gespeicherten Daten

- zur Verfolgung zahlreicher, nicht nur schwerer Straftaten im Sinne der Richtlinie,

- zur Abwehr erheblicher Gefahren für die öffentliche Sicherheit bis hin zur Ordnungswidrigkeit, falls dies im Polizei- und Ordnungsbehördenrecht ausdrücklich zugelassen wird und,

- sofern das Befugnisrecht der Dienste dies erlaubt - zur Erfüllung der Aufgaben der Nachrichtendienste

verwendet werden dürfen.

Damit ist künftig allen Ordnungsbehörden und den Nachrichtendiensten ohne richterliche Prüfung ein unmittelbarer Zugriff auf die Verkehrsdaten der Telekommunikation gestattet, sofern und sobald die ergänzenden Änderungen zum Beispiel im Befugnisrecht der Nachrichtendienste verabschiedet werden.

 

Auf den Seiten des Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit kann man sich über den aktuellen Stand der gesetzlichen Lage informieren:

Vorratsdatenspeicherung

Quelle: bfdi.bund.de

 

Was wird wie lange von wem gespeichert?

Nach dem Gesetzentwurf sollen die folgenden Daten sechs Monate lang auf Vorrat gespeichert werden (müssen aber zwingend innerhalb eines Monats nach dieser Frist gelöscht werden.

1. Anbieter von Telefondiensten einschließlich Mobilfunk- und Internet-Telefondiensten speichern

1. die Rufnummer oder andere Kennung des anrufenden und des angerufenen Anschlusses sowie im Falle von Um- oder Weiterschaltungen jedes weiteren beteiligten Anschlusses

2. den Beginn und das Ende der Verbindung nach Datum und Uhrzeit unter Angabe der zugrunde liegenden Zeitzone

3. in Fällen, in denen im Rahmen des Telefondienstes unterschiedliche Dienste genutzt werden können, Angaben zu dem genutzten Dienst

4. im Fall mobiler Telefondienste ferner:

1. die internationale Kennung für mobile Teilnehmer für den anrufenden und den angerufenen Anschluss

2. die internationale Kennung des anrufenden und des angerufenen Endgerätes

3. die Bezeichnung der durch den anrufenden und den angerufenen Anschluss bei Beginn der Verbindung genutzten Funkzellen

4. im Fall im voraus bezahlter anonymer Dienste auch die erste Aktivierung des Dienstes nach Datum, Uhrzeit und Bezeichnung der Funkzelle

5. im Fall von Internet-Telefondiensten auch die Internetprotokoll-Adresse des anrufenden und des angerufenen Anschlusses

2. Das gilt entsprechend bei der Übermittlung einer Kurz-, Multimedia- oder ähnlichen Nachricht; hierbei sind die Zeitpunkte der Versendung und des Empfangs der Nachricht zu speichern.

3. Anbieter von Diensten der elektronischen Post (E-Mail) speichern

1. bei Versendung einer Nachricht die Kennung des elektronischen Postfachs und die Internetprotokoll-Adresse des Absenders sowie die Kennung des elektronischen Postfachs jedes Empfängers der Nachricht,

2. bei Eingang einer Nachricht in einem elektronischen Postfach die Kennung des elektronischen Postfachs des Absenders und des Empfängers der Nachricht sowie die Internetprotokoll-Adresse der absendenden Telekommunikationsanlage,

3. bei Zugriff auf das elektronische Postfach dessen Kennung und die Internetprotokoll-Adresse des Abrufenden,

4. die Zeitpunkte der in den Nummern 1 bis 3 genannten Nutzungen des Dienstes nach Datum und Uhrzeit unter Angabe der zugrunde liegenden Zeitzone.

4. Anbieter von Internetzugangsdiensten speichern

1. die dem Teilnehmer für eine Internetnutzung zugewiesene Internetprotokoll-Adresse

2. eine eindeutige Kennung des Anschlusses, über den die Internetnutzung erfolgt

3. den Beginn und das Ende der Internetnutzung unter der zugewiesenen Internetprotokoll-Adresse nach Datum und Uhrzeit unter Angabe der zugrunde liegenden Zeitzone

5. Anbieter von Mobilfunknetzen für die Öffentlichkeit speichern zu den Bezeichnungen der Funkzellen Daten, aus denen sich die geografische Lage der jeweiligen Funkzelle sowie die Hauptstrahlrichtung der Funkantenne ergibt.

 

Auch Privatpersonen sind zur Speicherung verpflichtet, etwa wenn sie kostenlos einen öffentlichen WLAN-Zugang oder einen E-Mail-Dienst anbieten. Dagegen sind Anbieter von Webseiten, Webspace (Hosting), Foren und Chat-Diensten nicht betroffen. Eine Übergangsfrist für Anbieter von Internetzugang, Internet-Telefonie und E-Mail bis zum 01.01.2009 ist vorgesehen.

Übermittelt werden auf Vorrat gespeicherte Verbindungsdaten

1. zur Verfolgung von Straftaten,

2. zur Abwehr von erheblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit

3. zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, des Bundesnachrichtendienstes und des Militärischen Abschirmdienstes an die zuständigen Stellen.

Private Rechteinhaber sollen dagegen keinen Zugriff auf die auf Vorrat gespeicherten Daten erhalten. Auf dem Gebiet der Strafverfolgung ist der Zugriff zur Verfolgung „erheblicher oder mittels Telekommunikation begangener Straftaten“ zulässig (§ 100g StPO). Darunter fallen etwa in Internet-Tauschbörsen begangene Urheberrechtsverletzungen.

Bestehen bleiben soll die Identifizierungspflicht für Nutzer von Rufnummern oder anderen Anschlusskennungen (§ 111 TKG). Darunter fallen etwa Telefon, Handy und Internet-Telefonie. E-Mail-Anbieter sind von der Identifizierungspflicht ausgenommen; sofern sie allerdings Daten über die Identität ihrer Nutzer erheben, müssen sie diese Angaben für Zwecke der Auskunftserteilung an Behörden auch speichern. Anonyme E-Mail-Dienste bleiben also legal. Die Anbieter der betroffenen Dienste haben vor der Freischaltung des Nutzers eine Reihe von Daten in eine Datenbank einzuspeichern:

1. vergebene Rufnummer bzw. E-Mailadresse

2. Name und Anschrift des Inhabers

3. Datum des Vertragsbeginns

4. Geburtsdatum des Inhabers

5. bei Festnetzanschlüssen die Anschrift des Anschlusses

Die Anbieter sind berechtigt, aber nicht verpflichtet, die Richtigkeit der Angaben des Kunden zu überprüfen, etwa anhand eines Personalausweises. Gelöscht werden die Daten ein bis zwei Jahre nach Vertragsende (§ 95 Abs. 3 TKG). Zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben haben eine Vielzahl von Stellen Zugriff auf diese Bestandsdaten (§§ 112, 113 TKG): Gerichte, Strafverfolgungsbehörden, Polizeivollzugsbehörden des Bundes und der Länder für Zwecke der Gefahrenabwehr, Zollkriminalamt und Zollfahndungsämter für Zwecke eines Strafverfahrens, Zollkriminalamt zur Vorbereitung und Durchführung von Maßnahmen nach § 39 des Außenwirtschaftsgesetzes, Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, Militärischer Abschirmdienst, Bundesnachrichtendienst, Notrufabfragestellen, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Zollverwaltung zur Schwarzarbeitsbekämpfung.

Über diese Kundendatenbank hinaus sind Anbieter von Telekommunikationsdiensten verpflichtet, individuelle Auskünfte über Bestandsdaten zu erteilen (§ 113 TKG). Diese Regelung erlaubt es beispielsweise, bei einem Internetzugangsanbieter zu erfragen, welchem Kunden eine dynamisch vergebene IP-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt zugewiesen war. Abgefragt werden können auch Passwörter, PINs und PUKs. Auskunft ist zu erteilen für die Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, zur Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung und für die Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, des Bundesnachrichtendienstes und des Militärischen Abschirmdienstes.

Bei dem Bundesverfassungsgericht ist derzeit eine Verfassungsbeschwerde gegen Vorschriften des Telekommunikationsgesetzes (§§ 95 Abs. 3, 111–113 TKG) anhängig (Az. 1 BvR 1299/05), die Telekommunikationsanbieter zur Erhebung und Vorratsspeicherung von Telekommunikations-Bestandsdaten verpflichten. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wird für 2008 erwartet.